Projekt am HIAS
Reaktionen der Justiz auf Umweltkriminalität: eine soziologische Untersuchung
Martina Lassalles Projekt möchte einen Beitrag zu den Debatten über die aktuelle sozioökologische Krise leisten, indem es unser Verständnis dafür vertieft, welche entscheidende Rolle Rechtssysteme bei der gesellschaftlichen Wahrnehmung des Umweltproblems spielen. Aus soziologischer Perspektive untersucht die Forschungsarbeit die juristischen Reaktionen auf schädliche Umweltpraktiken in Lateinamerika vor dem Hintergrund der fortschreitenden Neugestaltung der geopolitischen Ordnung. Insbesondere werden die moralischen Werte, sozialen Bedeutungen, politischen Rationalitäten und Machtverhältnisse analysiert, die die Rechtspraxis prägen, wobei auch deren gesellschaftspolitische Konsequenzen berücksichtigt werden. Darüber hinaus untersucht das Projekt, inwiefern juristische Definitionen neokoloniale Dynamiken, strukturelle Ungleichheiten sowie die hegemonialen kulturellen und rechtlichen Rahmenbedingungen verstärken oder in Frage stellen können, die das Verständnis und die Bewältigung des Umweltschutzproblems prägen.
Martina Lassalles Tandempartnerin ist Christine Hentschel, Professorin für Soziologie, insbes. Sicherheit und Resilienz an der Universität Hamburg.
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Förderung


Das HIAS-Fellowship wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie der Freien und Hansestadt Hamburg im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern der Universität Hamburg finanziert.
Tandem
Prof. Dr. Christine Hentschel, Soziologie der Sicherheit und Resilienz, Universität Hamburg
Biografie
Martina Lassalle ist Dozentin für Soziologie an der Universität Buenos Aires und forscht am Nationalen Rat für wissenschaftliche und technische Forschung Argentiniens (CONICET). Sie studierte Soziologie und promovierte 2022 in Sozialwissenschaften an der Universität Buenos Aires. In den vergangenen Jahren war sie als Forschungsstipendiatin an Universitäten in Europa, Lateinamerika und den Vereinigten Staaten tätig. Im Jahr 2025 hatte sie den CALAS-Gastlehrstuhl an der Universität Bielefeld inne und war CALAS-Fellow am Hamburg Institute for Advanced Study. Darüber hinaus war sie Visiting Fellow am Forum Basiliense der Universität Basel und im Jahr 2024 außerordentliche wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Columbia University. Zuvor war sie Gastwissenschaftlerin an der Universität Granada in Spanien (2023), der Universität Guadalajara in Mexiko (2020) und der Bundesuniversität von Rio de Janeiro in Brasilien (2019). Zudem hat sie bei Forschungs- und Politikinitiativen mit internationalen Organisationen wie der EU-LAC-Stiftung zusammengearbeitet. Ihr erstes Buch Killing is not always the same crime. A study on the differential punishment of murder in Argentina (2024), wurde vom Fondo de Cultura Económica veröffentlicht. Es enthält eine soziologische Analyse der Logik, die der Bestrafung von Tötungsdelikten in Argentinien zugrunde liegt, und reflektiert kritisch über das Tötungsverbot in heutigen Gesellschaften sowie über das komplexe Verhältnis zwischen ideologischen Werten wie dem individuellen Leben und dem Privateigentum.
Martina Lassalle ist auf die Soziologie von Gewalt, Kriminalität und Bestrafung spezialisiert. In ihrer Forschung entwickelt sie theoretische und empirische Analysen zur selektiven Funktionsweise von Gerichten und deren Rolle bei der (Re-)Produktion hegemonialer Werte, sozialer Bedeutungen und Machtverhältnisse. Derzeit konzentriert sie sich darauf zu untersuchen, wie Justizsysteme auf einige der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit – darunter Umweltzerstörung und Drogenkriminalität – reagieren und diese aktiv mitgestalten.
Martina Lassalles HIAS-Fellowship wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie der Freien und Hansestadt Hamburg im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern der Universität Hamburg finanziert sowie von der Alexander von Humboldt-Stiftung.
Vorlesungen und Veranstaltungen (Auszug)
Publikationen (Auszug)
- Problematizing penal responses to drug-related crimes in Argentina: policy recommendations to reduce the criminalization of women. Strategiepapier, veröffentlicht durch das Institute of Latin American Studies der Columbia University, 2024.
- Matar no es siempre el mismo crimen. Un estudio sobre el castigo diferencial del asesinato en Argentina. [Töten ist nicht immer das gleiche Verbrechen. Eine Studie über die unterschiedliche Bestrafung von Mord in Argentinien.]. Fondo de Cultura Económica, Buenos Aires, 2024.
- „Non-criminal murders: A sociological essay about the use of self-defence in Argentina„. In: Oñati Socio-Legal Series, 11(6(S), S. S1-S20, 2021.