Das HIAS nutzt ein gründerzeitliches Stadthaus an der Rothenbaumchaussee 45, mitten im Universitätsviertel. Das Gästehaus der Universität, die Staatsbibliothek und zahlreiche Fakultäten befinden sich in Laufweite, ebenso die Außenalster und der Fernbahnhof Dammtor. Das Viertel gehört mit seinen eindrucksvollen Stadthäusern und Villen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert zu den schönsten und geschichtsträchtigsten Hamburgs.

Auch das vom HIAS genutzte Gebäude blickt auf eine bewegte Vergangenheit zurück:

Die Rothenbaumchaussee 45 wurde 1892 als Teil des Ensembles Rothenbaumchaussee 41-45 von dem Hamburger Architekten Richard Jacobssen (1851–1920) errichtet. 1935 wurde es im Zuge einer Zwangsversteigerung von dem Hamburger Kaffeehändler und Bankier Eduard Lassally (1854–1939) erworben. Lassally, Protestant mit jüdischen Wurzeln und Mitinhaber der Firma Lassally & Sohn, besaß und bewohnte mit seiner Familie seit 1895 die angrenzende Rothenbaumchaussee 43.

Bereits vier Jahre nach dem Erwerb musste Eduard Lassally das Gebäude 1939 aufgrund der Liquidation seiner Geschäfte und unter dem allgemeinen politischen Druck auf die „jüdische“ Bevölkerung wieder veräußern. Wenige Tage nach dem Verkauf beging Eduard Lassally Suizid.

In einem Restitutionsverfahren einigte sich Oswald Lassally (1899–1975), Hamburger Polizeibeamter und einziger überlebender Sohn Eduard Lassallys, 1951 mit dem Erben der Käuferin auf einen Vergleich und die Zahlung einer Entschädigungssumme. Im Zuge der Universitätserweiterung wurde die Immobilie 1961 von der Universität Hamburg angekauft.

Mit der heutigen Nutzung durch das Hamburg Institute for Advanced Study (HIAS) verbindet sich die Hoffnung, dass dieses Gebäude zu einem Ort der Gastfreundschaft, des internationalen Austauschs und der kulturellen Diversität wird und so einen Kontrapunkt zu seiner wechselvollen Geschichte bildet.

Verfasser: Jakob Hahn
Quelle: Althoff, Hendrik: Gutachterliche Stellungnahme. NS-Geschichte und Folgegeschichte
der Liegenschaft Rothenbaumchaussee 45, 11.3.2020