Strategische Mineralien wie Uran, Diamanten und Seltenerdelemente zirkulieren in komplexen globalen Netzwerken, deren Herkunft und Wege oft schwer nachzuverfolgen sind. Von den Abbaustätten über die Verarbeitungsanlagen, Produktionszentren und Endverbraucher bis hin zu den Endlagerstätten sind die Wege dieser Materialien häufig undurchsichtig geblieben. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist jedoch die Möglichkeit, ihre Herkunft und ihren Weg nachzuverfolgen, zu einem zentralen Instrument der globalen Governance geworden. Techniken zur Identifizierung der Herkunft und zur Überwachung des Umlaufs unterstützen zunehmend die Bemühungen zur Regulierung der Verbreitung von Kernwaffen, zur Kontrolle von Konfliktmineralien und zur Gewährleistung der Unternehmens- und Umweltverantwortung. In diesem Zusammenhang liefert die Rückverfolgbarkeit nicht nur Wissen über Materialien, sondern auch die Möglichkeit, diese zu kontrollieren.
In diesem Beitrag wird die Frage gestellt, wann und wie die Rückverfolgung von Mineralien zu einem wichtigen Mechanismus der globalen Kontrolle wurde. Mit besonderem Fokus auf Methoden zur Rückverfolgung von Diamanten untersucht es die Entstehung von Rückverfolgbarkeitspraktiken in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute. Außerdem untersucht es die Entwicklung wissenschaftlicher, technischer und bürokratischer Methoden zur Verfolgung strategischer Ressourcen über transnationale Lieferketten hinweg. Indem es diese Techniken in einen breiteren geopolitischen Kontext stellt – von der nuklearen Überwachung im Kalten Krieg bis hin zu zeitgenössischen Regimen zur Regulierung kritischer Mineralien –, argumentiert der Beitrag, dass sich Rückverfolgbarkeitssysteme parallel zur Ausweitung der globalen Regulierungsinfrastrukturen entwickelt haben.
Vortragende
Maria Rentetzi
Chair of Science, Technology and Gender Studies, Friedrich-Alexander University Erlangen–Nürnberg
Fellow on Science Diplomacy, Aarhus Institute for Advanced Studies (AIAS)