#Thursday Colloquium mit Natasha Loges
Wie können wir klassische Musik als ein global verbreitetes Phänomen verstehen und nicht nur als eine westliche Tradition, die in andere Länder exportiert wurde? Bei ihrem Thursday Colloquium stellt Natasha Loges ihr aktuelles Forschungsprojekt vor, das sich mit Fragen der Kunstliedkomposition des 20. Jahrhunderts außerhalb Europas und Nordamerikas befasst.
In Regionen, in denen die westliche Musikkultur durch Kolonialisierung oder interne Modernisierungsmaßnahmen eingeführt wurde, schufen lokale Komponist:innen ein umfangreiches Werk an Kunstliedern, das herkömmliche nationale Klassifizierungen in Frage stellt. Der Vortrag untersucht, wie wir diese Musiker:innen zwischen verschiedenen kulturellen Traditionen positionieren können, und deckt dabei komplexe Entwicklungen auf, die in der bestehenden Musikgeschichte typischerweise ignoriert oder als exotisch abgetan werden.
Anhand von Beispielen aus Ostasien, Lateinamerika, dem Mittelmeerraum und Südafrika wird Natasha Loges Beispiele aus dem Leben und Werk von Persönlichkeiten wie José Manuel Jiménez Berroa, dem sogenannten „Ebony Liszt“, der zwischen Kuba und Hamburg pendelte, und Ellinor Valesby, deren Leben sich über Deutschland, China und Argentinien erstreckte, vorstellen. Durch die Untersuchung dieser Lieder, die oft nationale Musikstile vermischen, sprachliche Grenzen verwischen und gleichzeitig in mehreren Heimatländern verwurzelt sind, wirft der Vortrag Fragen darüber auf, wie wir diese Musik klassifizieren, theoretisieren und aufführen, und arbeitet gleichzeitig auf ein genaueres und umfassenderes Verständnis dessen hin, was klassische Musik ist und war.
Diese Veranstalltung richtet sich an Fellows und ihre Tandempartner:innen.