Oktober 2026 – Januar 2027

Attila Mráz

Philosophie, ELTE Eötvös-Loránd-Universität

Projekt am HIAS

Protestwahl: Eine Wahlethik des Widerstands

Protestwahlen sind Gegenstand erheblicher politischer und moralischer Kontroversen. Protestwähler oder diejenigen, die aus Protest nicht an Wahlen teilnehmen, werden oft als unverantwortlich, übertrieben kompromisslos, egoistisch oder übermäßig auf ihre eigene moralische Reinheit bedacht dargestellt. Jedoch reagieren Protestwähler oder Nichtwähler oft auf gravierende Ungerechtigkeiten, ein Versagen der politischen Vertretung oder Mängel in der demokratischen Legitimität – und tun dies mitunter, ohne über wirksame Alternativen zu verfügen, um sich Gehör zu verschaffen. Dieses Projekt unterscheidet verschiedene Arten von Protestwahlverhalten und bietet einen theoretischen Rahmen zur Beurteilung, wann ein solches Verhalten moralisch zulässig ist und wann es mit den Idealen demokratischer Bürgerschaft im Einklang steht. Das Projekt befasst sich mit zwei zentralen Herausforderungen im Zusammenhang mit Proteststimmen: zum einen, dass sie eine Form der Mitwirkung an unzulässigem Schaden darstellen, und zum anderen, dass sie einen Missbrauch des Wahlrechts darstellen, da ihre Ausübung nicht mit demokratischen Grundsätzen im Einklang steht. Attila Mráz‘ Projekt mündet in einer Forschungsmonografie, die aufzeigt, inwieweit und auf welche Weise die politische Ethik einer nicht-idealen liberalen Demokratie dieses spezielle Instrument in das Instrumentarium radikaler Wahlpolitik integrieren kann. Das Projekt stützt sich auf die Demokratietheorie, die Ethik der Stimmabgabe und die politische Ethik des Widerstands innerhalb der politischen Philosophie sowie auf die Ethik des zulässigen Schadens in der Moralphilosophie und auf die umfangreiche Literatur der empirischen Politikwissenschaft zum Thema Protestwahlverhalten.

Sein Tandempartner ist Peter Niesen, Professor für Politische Theorie an der Universität Hamburg.

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Attila Mráz

Förderung

Das HIAS-Fellowship wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie der Freien und Hansestadt Hamburg im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern der Universität Hamburg finanziert. 

Tandem

Prof. Dr. Peter Niesen, Politische Theorie, Universität Hamburg

Biografie

Attila Mráz ist Assistenzprofessor am Institut für Philosophie der ELTE Eötvös-Loránd-Universität in Budapest. Er war Projektleiter des von der Ungarischen Akademie der Wissenschaften geförderten Forschungsprojekts „Wahletik: Neue Perspektiven“. Seit 2025 leitet er die ELTE-Forschungsgruppe ARTCOMP – Handlungsfähigkeit und Verantwortung am Schnittpunkt von Moral und Politik. Er ist gewähltes Mitglied der Ungarischen Jungen Akademie (2025–2030) und koordiniert dort in den Jahren 2026–2027 den Ausschuss für internationale Angelegenheiten. Er hatte unter anderem Postdoktorandenstellen am E. J. Safra Center for Ethics der Harvard University, am CEVIPOF der Sciences Po Paris und am Stockholm Centre for the Ethics of War & Peace der Universität Stockholm inne. Zu seinen früheren Forschungsstationen zählen die New York University, die University of Arizona und die University of Warwick. Außerdem war er als Gastwissenschaftler an der Université Catholique de Lille und am Stockholm Centre on Global Governance der Universität Stockholm tätig.

Attila Mráz‘ Forschung bewegt sich an der Schnittstelle zwischen philosophischer Demokratietheorie, der Rechtstheorie der politischen Rechte und der nicht-idealen politischen Ethik. Er hat zahlreiche Veröffentlichungen zu den Themen politische Gleichheit (einschließlich der Perspektiven von Behinderung, Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit), Wahlrecht (dessen Rechtfertigung sowie fähigkeits- und kompetenzbasierte Einschränkungen), Verteidigung der Demokratie (auch im Kontext der europäischen Demokratie) sowie zur Ethik der Stimmabgabe und der politischen Partizipation im weiteren Sinne verfasst. In seinem aktuellen Projekt bringt er Überlegungen zur nicht-idealen demokratischen Teilhabe, zu den moralischen und strategischen Herausforderungen des individuellen und kollektiven Kampfes gegen politische und soziale Ungerechtigkeiten sowie zu Themen aus der Ethik des Widerstands miteinander in Verbindung.

Attila Mráz HIAS-Fellowship wird aus Mitteln des Bundes und des Landes Hamburg finanziert, die die Universität Hamburg im Rahmen ihrer Exzellenzstrategie eingeworben hat.

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