Projekt am HIAS
Digit-LA. Untersuchung digitaler Ansätze zur Erforschung von Linear-A-Inschriften (LA) des „minoischen“ Kreta der Bronzezeit
Die Geschichte sowie die Entwicklung von Linear A mag für viele Leser nicht gerade „linear“ sein. Als eine Schrift aus der Bronzezeit im Ägäischen Raum (ca. 1800–1450 v. Chr.) ist Linear A bis heute nicht entschlüsselt; es kodiert die kaum erforschte „minoische“ Sprache, die auf Kreta beheimatet ist und zu keiner bekannten Sprachfamilie gehört. In Zusammenarbeit mit dem Hamburger Centre for the Study of Manuscript Cultures (CSMC) möchte Digit-LA innovative digitale Techniken, Ansätze und Methoden erforschen, die sich für die Untersuchung der Linear-A-Schrift und der verschiedenen beschrifteten Objekte eignen, auf denen sie belegt ist (z. B. Tontafeln, Tongefäße, Steingefäße, Metallgegenstände verschiedener Art). Nur durch eine sorgfältige Betrachtung der Kontexte, in denen Linear A verwendet wurde, sowie der Typologie und des Zwecks der beschrifteten Objekte lässt sich ein ganzheitliches Verständnis erreichen: ein Verständnis, das Inschriften als „lebendige“ und „gelebte“ Artefakte betrachtet, die neben ihrer historischen, textuellen und sprachlichen Bedeutung auch eine eigene Wirkkraft besitzen. Digit-LA verbindet moderne, digitale Techniken und Methoden, die auf den neuesten Forschungsergebnissen verschiedener (nicht immer verwandter) Fachbereiche basieren, mit traditionellen Ansätzen zur Erforschung antiker Inschriften. Dadurch eröffnet es eine neue Perspektive für die Untersuchung von Objekten mit Linear-A-Inschriften. Es schlägt vor, die bestehende textinterne Analyse des Linear-A-Korpus um einen innovativen text-externen Ansatz zu ergänzen.
Ihr Tandempartner ist Christof Berns, Professor für Klassische Archäologie an der Universität Hamburg.
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Förderung

Das HIAS-Fellowship wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie der Freien und Hansestadt Hamburg im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern der Universität Hamburg finanziert.
Tandem
Univ. Prof. Dr. Christof Berns, Klassische Archäologie, Universität Hamburg
Biografie
Vor ihrem Forschungsaufenthalt am HIAS, war Ester als AIAS-AUFF-Stipendiatin am Aarhus Institute of Advanced Studies (Universität Aarhus) tätig. Davor war sie Postdoktorandin im Rahmen des ERC-Projekts INSCRIBE (Universität Bologna) und Junior Research Fellow am St John’s College (Universität Cambridge), wobei sie gleichzeitig eine Gastdozentur an der Fakultät für Klassische Philologie (Cambridge) innehatte. Sie hat zwei Bücher bei Cambridge University Press veröffentlicht: „Aegean Linear Script(s): Rethinking the Relationship between Linear A and Linear B“ (2020) und „Writing in Bronze Age Crete: Minoan Linear A“ (2025).
Als ausgebildete Altphilologin ist Ester Salgarella auf die Erforschung der Ägäis im Bronzezeitalter (2. Jahrtausend v. Chr.) spezialisiert, wobei ihr Schwerpunkt auf Epigraphik, Linguistik und Archäologie liegt. Im Mittelpunkt ihrer Forschung stehen die Schriftformen der ägäischen Bronzezeit (insbesondere die „minoischen“ Schriften Linear A und die kretischen Hieroglyphen sowie die „mykenische“ Schrift Linear B), die sie in ihrem archäologischen und sozio-historischen Kontext betrachtet. Mit einem ganzheitlichen Ansatz betrachtet sie Inschriften sowohl als texttragende Artefakte von sprachwissenschaftlicher und historischer Bedeutung als auch als integrale Bestandteile der zeitgenössischen materiellen Kulturproduktion. Neben traditionellen, fachspezifischen Ansätzen bezieht sie in ihre Arbeit innovative, hochmoderne digitale Techniken und Methoden ein, die aus dem sich rasch entwickelnden Bereich der Digital Humanities stammen.
Ester Salgarellas HIAS-Fellowship wird aus Mitteln des Bundes und des Landes Hamburg finanziert, die die Universität Hamburg im Rahmen ihrer Exzellenzstrategie eingeworben hat.