Projekt am HIAS
Individuelle Entscheidungsfindung als flexibler Informationsengpass
Warum treffen Menschen bei identischen Informationen unterschiedliche Entscheidungen? Diese Allgegenwärtigkeit individueller Variabilität deutet darauf hin, dass die Ursachen der Art und Weise innewohnen, wie das Gehirn Entscheidungen trifft. Joshua Golds Arbeiten untersuchen hierfür eine mögliche Ursache: „Informationsengpässe“ im Gehirn, die verarbeitbare Informationen und damit die Entscheidungswirksamkeit begrenzen. Während seiner Zeit am HIAS wird er verhaltensbezogene und theoretische Modelle um Gehirnaktivitätsmessungen erweitern, um Ort, Funktionsweise und Verhaltensabläufe dieser Engpässe zu bestimmen. Ziel ist eine Grundlage, um kognitive Fähigkeiten besser zu verstehen, neue Diagnose- und Therapieansätze für Entscheidungssysteme zu erschließen und künstliche Entscheidungssysteme zu entwickeln, die biologische Engpässe und Verzerrungen überwinden.
Sein Tandempartner ist Tobias Donner, Professor für integrative Neurowissenschaft am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE).
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Förderung

Das HIAS-Fellowship wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie der Freien und Hansestadt Hamburg im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern der Universität Hamburg finanziert.
Tandem
Prof. Dr. med. Tobias H. Donner, Integrative Neurowissenschaft, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE)
Biografie
Joshua Gold erwarb 1991 seinen Bachelor an der Brown University und promovierte 1997 in Neurowissenschaften an der Stanford University. Nach einer Postdoktorandenzeit an der University of Washington wechselte er an die University of Pennsylvania, wo er heute als Professor für Neurowissenschaften und Co-Direktor der Computational Neuroscience Initiative tätig ist. Dort engagiert er sich stark in der Nachwuchsförderung, u. a. 12 Jahre lang als Vorsitzender der Neuroscience Graduate Group. Seine Forschung wurde vielfach ausgezeichnet – darunter mit Stipendien der Sloan Foundation und McKnight-Stipendien – sowie durch führende US-Förderorganisationen finanziert. Zudem ist er in internationalen Bewertungsgremien aktiv und derzeit leitender Redakteur bei eLife.
Joshua Golds Forschung untersucht, wie das Gehirn unsichere Informationen im Laufe der Zeit abwägt und kombiniert. Seine früheren Arbeiten zeigten, dass das Gehirn statistisch optimale Entscheidungsprozesse – etwa unter Abwägung von Geschwindigkeit und Genauigkeit – annähernd nachbildet und Entscheidungen eng an konkrete Aktionspläne koppelt. Darauf aufbauend identifizierte sein Labor neuronale Grundlagen des Wahrnehmungslernens, bei denen sich die Umwandlung von Reizen in Aktionspläne durch Erfahrung verändert. In jüngerer Zeit erforscht sein Team diese Prinzipien in dynamischen Umgebungen. Dabei wies die Forschung nach, dass Erregungs- und Stressmechanismen – messbar etwa über den Pupillendurchmesser – Inferenzprozesse im Gehirn adaptiv steuern, was vermutlich auf Veränderungen der Noradrenalin-Freisetzung zurückzuführen ist.
Joshua Golds HIAS-Fellowship wird aus Mitteln des Bundes und des Landes Hamburg finanziert, die die Universität Hamburg im Rahmen ihrer Exzellenzstrategie eingeworben hat.