März – Juni 2027

Juan Pablo Aranguren Romero

Psychologie, Universidad de los Andes

Projekt am HIAS

Zwischen Engagement und Distanz: Fotografen im kolumbianischen bewaffneten Konflikt

Während seines HIAS-Fellowships arbeitet Juan Pablo Aranguren Romero an einem Forschungsprojekt, das untersucht, wie Fotografen, Fotojournalisten und bildende Künstler, die den bewaffneten Konflikt in Kolumbien dokumentieren, mit den emotionalen Auswirkungen ihrer Arbeit umgehen, sich mit ethischen Herausforderungen auseinandersetzen und in ihrem Alltag mit den Folgen des Krieges zurechtkommen.

Das Projekt verlagert den Fokus weg von der Betrachtung von Bildern politischer Gewalt und Krieg als bloße Endprodukte hin zu einem Verständnis dieser Bilder als relationale Prozesse, die durch die Begegnung mit den Erfahrungen anderer geprägt werden. Es stützt sich auf Berichte von zwanzig Fotografen, die Zerstörung, Verlust und Widerstandsfähigkeit in Kolumbien dokumentiert haben, und untersucht, wie sie sich emotional und ethisch mit den von ihnen dargestellten Realitäten auseinandersetzen. Ausgehend von einer kritischen Perspektive auf die Traumaforschung betrachtet die Studie Fotografen nicht als passive Zeugen, sondern als aktive Akteure, die den Geschichten von durch Gewalt betroffenen Einzelpersonen und Gemeinschaften Gehör schenken, sie interpretieren und darauf reagieren. Das Projekt umfasst zudem eine Ausstellung mit 100 Fotografien der teilnehmenden Fotografen, die dazu beiträgt, die Öffentlichkeit stärker für die menschlichen Aspekte von Konflikten und Erinnerung zu sensibilisieren.

Seine Tandempartnerin ist Sabine Kurtenbach, Präsidentin (ad interim) am German Institute for Global and Area Studies (GIGA) und Honorarprofessorin am Zentrum für Konfliktforschung der Universität Marburg.

Webseite

Juan Pablo Aranguren Romero

Förderung

Das HIAS-Fellowship wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie der Freien und Hansestadt Hamburg im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern der Universität Hamburg finanziert. 

Tandem

Prof. Dr. Sabine Kurtenbach, Politikwissenschaften, German Institute for Global and Area Studies (GIGA)

Biografie

Juan Pablo Aranguren Romero ist außerordentlicher Professor am Institut für Psychologie der Universidad de los Andes (Bogotá, Kolumbien). Er ist ausgebildeter Psychologe und Historiker und verfügt über einen Master-Abschluss in Sozialanthropologie sowie einen Doktortitel in Sozialwissenschaften.

Seit 2014 leitet er das Forschungsprojekt „The Ethics of Listening“, das untersucht, wie Menschen mit Erzählungen über Schmerz, Verlust und Gewalt umgehen und diese emotional verarbeiten. Seine Arbeit wurde mehrfach national und international ausgezeichnet, u.a. mit einem Forschungsstipendium der Toyota-Stiftung (2016), einer lobenden Erwähnung der Alejandro-Ángel-Escobar-Stiftung (2017) und einem Senior-Forschungsstipendium des Französischen Instituts für Andenstudien (2019) für seine Forschung zu forensischen Anthropologen. Im Jahr 2022 wurde er für seine Arbeit zum emotionalen Umgang mit dem Zuhören bei kolumbianischen Journalisten mit einer lobenden Erwähnung beim 11. Iberoamerikanischen Preis für Sozialwissenschaften (UNAM–OEI) ausgezeichnet. Im Jahr 2025 war er Gastforscher am Norwegischen Zentrum für Menschenrechte an der Universität Oslo.

Juan Pablo Aranguren Romero verfügt über mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung in der Erforschung der psychosozialen Auswirkungen von Krieg und bewaffneten Konflikten. Ausgehend von einer kritischen sozialpsychologischen Perspektive untersucht er in seiner Arbeit, wie sich Krieg in den Körpern und Lebenserfahrungen sowohl der Opfer als auch der Kämpfenden einprägt. In seiner Forschung hat er sich mit der emotionalen Bewältigung von Verlust in Familien von Opfern des gewaltsamen Verschwindens, mit den Formen des Widerstands, die Überlebende von Folter entwickelt haben, sowie mit der generationsübergreifenden Weitergabe von Kriegserinnerungen unter ehemaligen Mitgliedern aufständischer Gruppen in Kolumbien befasst. Allgemein gesprochen, setzt sich seine Forschung mit den ethischen und emotionalen Aspekten des Zuhörens bei Berichten über Krieg und politische Gewalt auseinander.

Juan Pablo Aranguren Romeros HIAS-Fellowship wird aus Mitteln des Bundes und des Landes Hamburg finanziert, die die Universität Hamburg im Rahmen ihrer Exzellenzstrategie eingeworben hat.

Bildinformation

„El momento del no.“, Federico Ríos (2016). Eine Gruppe von FARC-Kämpfern versammelt sich, um die Ergebnisse des von der Regierung unter Juan Manuel Santos einberufenen Referendums zu verfolgen, bei dem die Bürger gefragt wurden, ob sie das Friedensabkommen unterstützen. Das ‚Nein‘ gewann.