Projekt am HIAS
Die sozio‐gesundheitlichen und umweltbezogenen Auswirkungen von Wirtschaftssanktionen (Fallbeispiel Iran und ausgewählte andere Länder)
Wirtschaftssanktionen werden häufig als außenpolitisches Instrument eingesetzt, um Regierungen unter Druck zu setzen und zu einem Kurswechsel zu bewegen. Obwohl sie wirtschaftliche Kosten für die Zielregime verursachen sollen, haben sie oft unbeabsichtigte Folgen für die Zivilbevölkerung. Während seines dreimonatigen Fellowships am HIAS wird Mohammad Farzanegan seine Forschung zu den Auswirkungen von Sanktionen auf innerstaatliche Konflikte im Iran (gemeinsam mit Jerg Gutmann) weiterführen, mit dem Ziel, die Ergebnisse in einer wissenschaftlich begutachteten Fachzeitschrift zu veröffentlichen. Außerdem arbeitet er an einem Forschungsprojekt, das untersucht, wie die Qualität staatlicher Institutionen in Zielländern die schädlichen Effekte von Sanktionen auf die politische Stabilität beeinflusst – und zwar im internationalen Vergleich. Darüber hinaus möchte er seine Forschung ausweiten, um auch die Folgen von Sanktionen für Umweltqualität und öffentliche Gesundheit zu berücksichtigen. Ein weiteres wichtiges Ziel seines Fellowships ist die Vorbereitung eines EU-Projektantrags zur Einrichtung eines Doktorandennetzwerks zum Thema Wirtschaftssanktionen, gemeinsam mit seinen Tandempartnern sowie weiteren potenziellen Partnern.
Seine Tandempartner sind Stefan Voigt, Professor für ökonomische Analyse des Rechts und Jerg Gutmann, Juniorprofessor für Verhaltensökonomie und -recht an der Fakultät für Rechtswissenschaft der Universität Hamburg.
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Förderung

Das HIAS-Fellowship wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie der Freien und Hansestadt Hamburg im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern der Universität Hamburg finanziert.
Tandem
Prof. Dr. rer. pol. Stefan Voigt, Rechtswissenschaften, Universität Hamburg
Prof. Dr. Jerg Gutmann, Rechtswissenschaften, Universität Hamburg
Biografie
Seit 2015 leitet Mohammad Reza Farzanegan die Forschungsgruppe „Economics of the Middle East“ am Centrum für Nah- und Mittelost-Studien (CNMS) der Philipps-Universität Marburg, wo er eine unbefristete Professur (W3) an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften innehat und von 2024 bis 2026 als stellvertretender geschäftsführender Direktor des CNMS tätig ist. Zuvor war er Juniorprofessor (Tenure Track) für Wirtschaft des Nahen Ostens an derselben Einrichtung (2012–2015), Georg-Forster-Forschungsstipendiat der Alexander von Humboldt-Stiftung am ZEW Mannheim und an der TU Dresden (2010–2012) sowie wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Umwelt- und Ressourcenökonomik am ZEW Mannheim (2009–2010). Seine Promotion (summa cum laude) in Volkswirtschaftslehre absolvierte er an der TU Dresden (2006–2009). Frühere berufliche Stationen umfassen Tätigkeiten als Wirtschaftsexperte bei der Teheraner Börsenaufsichtsbehörde (2004–2005) sowie bei der iranischen Hafen- und Schifffahrtsorganisation (2001–2003). Er erwarb seinen Masterabschluss in Energieökonomik und -marketing an der Universität Teheran (1999–2002) und seinen Bachelor in Theoretischer Volkswirtschaftslehre an der Allameh-Tabataba’i-Universität (1995–1999). Farzanegan ist aktiv in internationalen Netzwerken wie CESifo, ERF und IIEA engagiert und trägt darüber hinaus zu kulturellen und wissenschaftlichen Dialogen über den Nahen Osten – insbesondere mit dem Iran – bei, unter anderem durch die Leitung von Projekten im Rahmen des vom DAAD und Auswärtigen Amt geförderten Programms „Hochschuldialog mit der islamischen Welt“ (2016–2018 & 2020–2022).
Die Forschung von Farzanegan konzentriert sich auf die politische Ökonomie von Sanktionen, Konflikten, Korruption und natürlichen Ressourcen sowie auf weitere verwandte Themen. Seine Projekte folgen einem theoriegeleiteten, empirischen Ansatz, bei dem quantitative Methoden eingesetzt werden, um Kausalzusammenhänge zu identifizieren. Dabei greift er auf eine Vielzahl von Datenquellen zurück, darunter Befragungen von Individuen und Unternehmen sowie makroökonomische Länderdaten für Zeitreihen-, Ländervergleichs- und Panelanalysen. Farzanegan hat 80 von Fachkollegen begutachtete Beiträge in internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht. Jüngste Arbeiten sind unter anderem in The Lancet, Review of Development Economics, Empirical Economics, Energy Economics, Defence & Peace Economics und Constitutional Political Economy erschienen. Er ist koordinierender Professor des internationalen Masterstudiengangs „Economics of the Middle East (EMEA)“. Derzeit fungiert Farzanegan zudem als Exekutivsekretär der International Iranian Economic Association (IIEA) und ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Economic Research Forum (ERF) in Ägypten.
Mohammad Reza Farzanegans HIAS-Fellowship wird aus Mitteln des Bundes und des Landes Hamburg finanziert, die die Universität Hamburg im Rahmen ihrer Exzellenzstrategie eingeworben hat.
Bildinformation
NCRI National Council of Resistance of Iran, Irans Jugend: Von der Mittelschicht in die Armut – Nationalen Widerstandsrats Iran (NWRI)