Oktober 2026 – Juni 2027

Thomas Christensen

Musikwissenschaft, University of Chicago

Projekt am HIAS

Während seines Fellowships arbeitet Thomas Christensen an zwei miteinander verbundenen Projekten, die durch die Disziplin der historischen Musiktheorie verknüpft sind. Sein erstes und wichtigstes Projekt wird die Fertigstellung einer synthetisierenden Monografie sein, die sich mit den historischen Epistemologien der Musiktheorie auf globaler Ebene auseinandersetzt. Er möchte verstehen, inwieweit Musiktheorie und -analyse, wie sie im westlichen akademischen Kontext praktiziert werden, eine nützliche und verständliche historische Heuristik für nichtwestliche Kulturen darstellen, insbesondere für Kulturen mit nichtschriftlichen Traditionen. Lassen sich Gemeinsamkeiten identifizieren, die die unterschiedlichen historischen und kulturellen Grenzen von Musik überschreiten – und vielleicht miteinander verbinden? Ein zweites, stärker empirisch ausgerichtetes Projekt besteht darin, Zeit in den Archiven der Hamburg Staatsbibliothek zu verbringen und die Schriften des Hamburger Universalgelehrten Johann Mattheson aus dem 18. Jahrhundert zu erforschen, der zu den produktivsten und kenntnisreichsten Musikkritikern der deutschen Aufklärung gehörte.

Sein Tandempartner ist Jan Philipp Sprick, Präsident und Musiktheoretiker an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg.

Webseite

Thomas Christensen

Förderung

 

Tandem

Prof. Dr. Jan Philipp Sprick, Hochschule für Musik und Theater Hamburg

Biografie

Christensen ist Avalon Foundation Professor of Music and the Humanities an der University of Chicago, wo er seit 27 Jahren lehrt. 1985 promovierte er in Music Theory an der Yale University. Christensens Forschung hat im Laufe der Jahre Unterstützung und Anerkennung von einer Vielzahl akademischer Fachgesellschaften und Förderinstitutionen erhalten. Dazu zählen unter anderem Fellowships der DAAD, der Fulbright Foundation, der American Academy in Berlin, des Wissenschaftskolleg zu Berlin, des ACLS und der Guggenheim Foundation.Als aktives Mitglied der internationalen Gemeinschaft der Musikwissenschaftler hat Christensen das Amt des President of the Society for Music Theory ausgeübt und war Mitglied des Executive Board of the American Musicological Society.

Christensens wissenschaftliche Forschung konzentriert sich seit jeher weitgehend auf die Geschichte der Musiktheorie. Ein grundlegendes Anliegen seiner Arbeit besteht darin, die zahlreichen intellektuellen Deutungsrahmen, Argumentationsweisen und sprachlichen Modelle, die von Autor:innen der Frühen Neuzeit verwendet wurden, tief in ihrem jeweiligen kulturellen Umfeld zu verorten. Er hat mehr als 80 Publikationen veröffentlicht, darunter Monografien zur Musiktheorie des französischen Philosophen des 18. Jahrhunderts Jean-Philippe Rameau, des in Hamburg ansässigen Musikgelehrten Johann Mattheson sowie des belgischen Musiktheoretikers des 19. Jahrhunderts François-Joseph Fétis. Außerdem war er Herausgeber der Cambridge History of Western Music Theory (2003). Weitere Forschungsinteressen umfassen Improvisation und musikalische Verkörperung, Klaviertranskriptionen in der bürgerlichen Musikkultur des 19. Jahrhunderts sowie die Vorstellung musikalischer Tonalität.

Thomas Christensens HIAS Fellowship wird von der Hapag-Lloyd Stiftung finanziert.

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