11Uhr

Workshop Relationales Design

Gestaltung an der Schnittstelle von Gesellschaft und Natur

Relationales Design
Relationales Design
Organisator:innen:

Lutz Hengst, Sophia Prinz

Datum und Ort:

1. Juli 2021 – 18.00-20.00 Uhr
Abendvortrag von Tulga Beyerle
HIAS/online – Anmeldung bis zum 30. Juni an: event@hias-hamburg.de

2. Juli 2021 – 11.00-17.30 Uhr
Workshop
online – Anmeldung bis zum 30. Juni an: event@hias-hamburg.de

Thema:

Der Diskurs um das „Soziale“ des Designs erlebt gegenwärtig eine Konjunktur. In zahlreichen Publikationen und Tagungen ist von „Social Design“, „Critical Design“, „Politics of Design“, „Design Activism“,„Transformationdesign“ u.v.m. die Rede. Allerdings deutet schon die schiere Menge an designtheoretischen Neologismen und Apellen auf eine latente Selbstüberforderung hin: Das kritische Design hat sich nichts Geringeres zum Ziel gesetzt, als eine neue, gerechtere Welt zu entwerfen.

Dieser zukunftsorientierte Gestaltungswille erinnert an die modernistischen Designutopien des frühen 20. Jahrhundert. Allerdings sehen sich die Designer:innen von heute mit einem anderen gesellschaftlichen Problem konfrontiert: Es kann längst nicht mehr darum gehen, mithilfe technischer Innovationen einen „Neuen Menschen“ zu fabrizieren. Im Gegenteil: Die zentrale Frage des gegenwärtigen Designs sollte vielmehr sein, wie die sozialen, kulturellen und ökologischen Schäden, die solche technokratischen Machbarkeitsphantasien angerichtet haben, minimiert oder gar rückgängig gemacht werden können.
Um dies beantworten zu können, muss genauer bestimmt werden, wie sozio-kulturelle Prozesse und Gestaltung ineinandergreifen.

Denn während viele Designtheorien von einer grundsätzlichen Gestaltbarkeit der Gesellschaft ausgehen und somit dazu tendieren, die Eigendynamiken des Sozialen zu vernachlässigen, haben umgekehrt die Sozialwissenschaften bislang kaum Ansätze entwickelt, die soziale Wirksamkeit von Gestaltung und (ästhetischer) Form theoretisch und analytisch zu begreifen.

Der geplante Workshop möchte dementsprechend den interdisziplinären Austausch zur sozial- und designwissenschaftlicher Theoriebildung voranbringen. Dabei geht es nicht nur um „Design“ im engeren Sinne (also um das professionelle Produktionsfeld), sondern auch um alltägliche, nicht-intentionale und implizite Gestaltungsprozesse in den unterschiedlichsten sozio-materiellen Kontexten. Diese sozio-materiellen Gestaltungskontexte lassen sich nur relational verstehen. Das bedeutet, dass das Soziale der Gestaltung niemals anhand einzelner Artefakte oder Medien analysiert werden kann, sondern immer nur als raum-zeitliche Konstellationen und Netzwerke heterogener Elemente (d.h. Materialien, Artefakte, Technologien, Körper, Praktiken, Räume, Infrastrukturen etc.).

Ein solches relationales Verständnis von Design, das in Ansätzen schon von Lucius Burckhardt formuliert worden ist, soll hier aus unterschiedlichen theoretischen Perspektiven weiter ausformuliert werden (Praxistheorie, Postphänomenologie, Posthumanismus, Systemtheorie, Kunst- und Umweltgeschichte). Der inhaltliche Schwerpunkt der Diskussion liegt dabei auf der Aktivität der „natürlichen“ Materialien und Ressourcen: welche Rolle spielen sie in den verschiedenen Designprozessen und wie verändern sich die sozio-materiellen Formen durch den gestalterischen Zugriff auf die Natur?

Leitende Fragen:

• Welche sozial-, kultur- und gesellschaftstheoretischen Instrumentarien und Heuristiken stehen der Analyse von Konstellationen der Gestaltung zur Verfügung? Welche Rolle spielt dabei der Aspekt der Form?
• Welche humanen und nicht-humanen „Aktanten“, Netzwerke und Praktiken sind Teil von Gestaltungsprozessen?
• Welche „Aktivität“ kommt den (natürlichen) Materialien im Gestaltungsprozess zu?
• Wie haben sich industrielle und urbane Landschaften im Laufe der Moderne verändert?
• Welche Rolle spielen koloniale Rohstoffe für das moderne Design?
• Inwiefern ist die ökologische Krise auch eine Gestaltungsfrage?

Workshopteilnehmer:innen:

Andreas Dix (Otto-Friedrich-Universität Bamberg)
Jesko Fezer (HfBK Hamburg)
Hanna Göbel (Universität Hamburg)
Sandra Groll (FH Potsdam)
Anke Gruendel (HU Berlin)
Lutz Hengst (Universität Hamburg)
Ilaria Hoppe (KU Linz)
Dominik Hünniger (Universität Hamburg)
Claudia Mareis (HU Berlin)
Sophia Prinz (HIAS/ ZHdK Zürich)

Programm des Workshops am 02.07.

11.00

Begrüßung Lutz Hengst/ Sophia Prinz

11.15

Exemplarische Landschaften – Gestaltete Räume
Moderation: Lutz Hengst/ Dominik Hünniger

Lutz Hengst: Unwirtlichkeit der Vorstädte? Notizen zur räumlichen Ungleichverteilung von Gestaltungsformen und Gestaltungszugängen

Andreas Dix: B42 –oder einige Anmerkungen zu Landschaft in Transformationsprozessen

Ilaria Hoppe: Street Art in urbanen Räumen: Ein Vergleich zwischen metropolem communitybuilding und peripheren Rezeptionen

13.00

Mittagspause

14.00

Gestaltung von komplexen Systemen
Moderation: Sophia Prinz

Claudia Mareis/ Anke Gruendel: Governing Through Design

Sandra Groll: Integratives Design und relationale Praxis

15.30

Kaffeepause

16.00

Design und sozio-materielle Praxis
Moderation: Sophia Prinz

Jesko Fezer: Parteiische Gestaltung. Anti-neutrales Design im sozialen Handgemenge

Hanna Göbel: Posthumane Formen und mis/fittings. Zur Relationalität von Körpern und Artefakten

(Sophia Prinz: Formen der Verflechtung. Gestaltung in der der globalen Moderne)

17.30

Ende der Veranstaltung

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