Der menschliche Körper war schon immer dem Wetter ausgesetzt und auf dieses abgestimmt. Während frühere Ansätze Wetter und Gesundheit ganzheitlich betrachteten – indem sie Verbindungen zwischen körperlichem und geistigem Wohlbefinden und Krankheit sowie meteorologischen Bedingungen herstellten –, konzentriert sich die heutige Aufmerksamkeit eher auf Extreme wie starke Umweltverschmutzung oder durch den Klimawandel verschärfte Wetterereignisse wie Hitzewellen.
Die historische Aufmerksamkeit für die Einbettung des Körpers in die ihn umgebende Atmosphäre und seine Durchlässigkeit für diese beruhte auf einer anderen Vorstellung vom Körper und seiner Umgebung, die von der Humoralpathologie und der (neo-)hippokratischen Medizin geprägt war. Um die Empfindlichkeit von Körper und Seele gegenüber meteorologischen Ereignissen zu konzeptualisieren, bleiben uns heute nur noch Randbereiche wie die „menschliche Biometeorologie” und statistische Erhebungen zur „Wetterempfindlichkeit” oder „saisonalen affektiven Störungen”, die kaum Einfluss auf die medizinische Praxis haben.
Die Rekonstruktion der Geschichte des meteorologischen Körpers ist nicht nur in praktischer Hinsicht lohnenswert, sondern steht auch im Einklang mit aktuellen theoretischen Debatten über Immersion, Transkorporalität, körperliche Verflechtung und (feministischen) New Materialism. In einer Zeit von Luftverschmutzung und extremen Wetterereignissen rückt die „verwitterte“ Natur der menschlichen Erfahrung erneut in den Fokus und unterstreicht die zunehmenden Auswirkungen wetterbedingter Erkrankungen und Todesfälle.
Der Workshop vereint Fachwissen aus den Bereichen Geschichte, Anthropologie, Geografie, Literaturwissenschaft, Philosophie und Wissenschaftsgeschichte und untersucht die Multidimensionalität und Heterogenität des meteorologischen Körpers in seiner historischen Tiefe und kulturellen Breite. Er untersucht, wie das Wetter die menschliche Gesundheit und das Wohlbefinden beeinflusst, und zielt darauf ab, die historischen und kulturellen Rahmenbedingungen zu rekonstruieren, die einst die intensive Verbindung zwischen meteorologischen und physischen Zuständen aufrechterhielten. Er fragt auch, wie Körper heute in Bezug auf das Wetter vorgestellt werden und welche politischen und sozialen Implikationen diese Vorstellungen mit sich bringen.
Allgemeiner betrachtet erwarten wir, dass die Konferenz unser Verständnis von vernachlässigten Aspekten der Beziehungen zwischen Mensch und Klima fördert und einen wesentlichen Beitrag zum aufstrebenden Forschungsgebiet der Atmosphärenwissenschaften leistet.
Dieser Workshop wird von Eva Horn and Maximilian Hepach organisiert.
Participants
- Fiona Amery, Emmanuel College, Cambridge
- Thomas Banbury University of Cambridge
- Maximilian Hepach, Durham University
- Vladimir Jankovic, University of Manchester
- Tatiana Konrad, University of Vienna
- Michael Schnegg, University of Hamburg
- Cornelia Zumbusch, Universität Hamburg