Bei diesem Liederabend handelt es sich um eine globale Neugestaltung von Franz Schuberts geschätztem Liederzyklus. Dabei werden ausgewählte Originalwerke Franz Schuberts mit Liedern von Komponist:innen aus außereuropäischen Regionen kombiniert, wobei thematische Bezüge zum ursprünglichen Zyklus (Winter, Wandern und Einsamkeit) aufgegriffen werden.
Die Musikwissenschaftlerin Natasha Loges lädt für dieses Projekt den international renommierten Bariton Stephan Loges und die Pianistin Libby Burgess nach Hamburg ein.
Das Konzertdesign greift auf die Praxis des „Interleavings“ im 19. Jahrhundert zurück, die von Natasha Loges in ihren Forschungen zur Konzertgeschichte ausführlich untersucht wurde. Diese Form der Programmgestaltung mischt verschiedene Stile und Genres in Gruppen, die oft mit Improvisation und gesprochenem Text verbunden werden. Dies ermöglicht es dem Publikum, Verbindungen zwischen den einzelnen Stücken zu hören und sie in einen Kontext zu setzen.
Das Konzert beginnt mit Komponist:innen aus Regionen, die für ein deutsches Publikum besonders relevant sind, nämlich Israel, Ukraine, Türkei und Syrien, mit Liedern von Verdina Shlonsky (1905-90), Nazife Güran (1921-93) und Gaswan Zerikly (1954). Anschließend erkundet es entferntere Gebiete durch Musik des Venezolaners Antonio Estevez (1916-88) und von zwei nigerianischen Komponisten, Joshua Uzoigwe (1946-2005) und Akin Euba (1935-2020), die jeweils die Igbo- und Yoruba-Kunstlieder repräsentieren. Ein Abschnitt am Ende führt uns über Asien zurück, mit Liedern des indischen Komponisten Vanraj Bhatia (1927-2021), des Japaners Yoshinao Nakada (1923-2000) und der Koreanerin Sun-Ae Kim (1920-2007). Die Abfolge wurde so geplant, um die Affinitäten zu den vertrauteren Liedern aus Schuberts Winterreise zu betonen.
Mit einer Podiumsdiskussion im Anschluss des Konzertes trägt dieses Projekt zum interkulturellen und musikalischen Leben in Hamburg bei.
Podiumsdiskussion im Anschluss ans Konzert:
Dem Konzert folgt eine Diskussion darüber, wie die widersprüchlichen künstlerischen Erbschaften des europäischen Kolonialismus reflektiert werden können, um die interkulturelle Verständigung zu fördern. Welche Beispiele wurden bereits gefunden? Was hat funktioniert und woran sehen wir das?
Programm
Stephan Loges (Bariton), Libby Burgess (Klavier) und Natasha Loges (Konzept und Moderation)
| Franz Schubert (1797-1828 Österreich) | Der Wegweiser (aus Winterreise) |
| Verdina Shlonsky (1905-1990 Israel-Ukraine) | On the Great Road |
| Franz Schubert | Der stürmische Morgen (aus Winterreise) |
| Muammer Sun (1932-2021 Türkei) | Sevdikçe Yaşıyorum |
Moderation…………………………………………………………………………………………………………………………………………..
| Franz Schubert | Der Leiermann (aus Winterreise) |
| Ahmad Adnan Saygun (1907-1991 Türkei) | Arie aus Yunus Emre Oratorio |
| Gaswan Zerikly (1954- Syrien) | Ma Ihtiyali Ya Rifaqi |
| Franz Schubert | Die Krähe (aus Winterreise) |
Moderation…………………………………………………………………………………………………………………………………………..
| Franz Schubert | Der Lindenbaum (aus Winterreise) |
| Antonio Estevez Arrunango (1916-1988 Venezuela) | Arrunango |
| Manuel Ponce Estrelita (1882-1948 Mexico) | Estrelita |
| Andre Tanker, arr. Desmond Waithe Moreno Osha (1941-2003 Trinidad & Tobago) | Moreno Osha |
| Franz Schubert | Täuschung (aus Winterreise) |
| Franz Schubert | Rückblick (aus Winterreise) |
| Joshua Uzoigwe Eriri Ngeringe (1946-2005 Nigeria Igbo) | Eriri Ngeringe |
| Akin Euba (1935-2020 Nigeria Yoruba) | 1. Mo le J’Iyanyo 3. Mo ja’we gbegbe |
| Franz Schubert | Gefrorne Tränen (aus Winterreise) |
Moderation…………………………………………………………………………………………………………………………………………..
| Franz Schubert | Das Wirtshaus (aus Winterreise) |
| Vanraj Bhatia (1927-2021 Indien) | Jhara, jhara (Monsoon, aus Six Seasons) |
| Franz Schubert | Irrlicht (aus Winterreise) |
| Yoshinao Nakata (1923-2000 Japan) | Cherry Alley |
| Sun-Ae Kim (1920-2007 Korea) | Because you are here |
| Franz Schubert | Gute Nacht (aus Winterreise) |
Veranstaltungsort
Ruldolf Steiner Haus (Großer Saal), Mittelweg 11, 20148 Hamburg
In Zusammenarbeit mit:

Unterstützt von:

Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie der Freien und Hansestadt Hamburg im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern der Universität Hamburg
