Viertes Hamburger Symposium für Philosophie und Anthropologie
In den letzten Jahren haben negative Emotionen im Zusammenhang mit dem Klima wie Angst, Furcht und Verzweiflung die Aufmerksamkeit von Wissenschaftlern und der Öffentlichkeit gleichermaßen auf sich gezogen. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2023 ist der Klimawandel für 74 % der Deutschen eine bedeutende Quelle der Angst. Diese negativen Emotionen können zwar zu Klimaschutzmaßnahmen anregen, führen jedoch zunehmend auch zu psychischen Problemen, sozialen Spannungen und politischer Lähmung.
Vor diesem Hintergrund werden Stimmen laut, die angesichts der Klimakrise mehr Hoffnung fordern. Das Argument lautet, dass eine Gesellschaft nicht ohne erhebliche psychologische und soziale Kosten in einem Zustand der Panik verharren kann und dass Hoffnung notwendig ist, um positive Zukunftsvisionen zu entwickeln. Anthropologische Untersuchungen haben gezeigt, dass die emotionalen Reaktionen auf die Klimakrise in den verschiedenen Regionen der Welt erheblich variieren. In einigen Ländern des sogenannten Globalen Südens, die besonders stark vom Klimawandel betroffen sind, lässt sich ein hoffnungsvollerer Umgang mit diesem Thema beobachten als im sogenannten Globalen Norden.
Der Workshop zielt darauf ab, die aktuelle Diskussion über Klimahoffnung voranzubringen, indem er zwei Fragen behandelt. Erstens wollen wir untersuchen, unter welchen Bedingungen Klimahoffnung entsteht. Warum reagieren manche Menschen auf den Klimawandel mit Hoffnung, während andere verzweifeln? Zweitens wird der Workshop die Auswirkungen von Klimahoffnung untersuchen. Während manche Formen der Klimahoffnung bei der Bewältigung der Herausforderungen, vor denen wir stehen, hilfreich sein können, können andere kontraproduktiv sein. Was sind hilfreiche Formen der Klimahoffnung?
Um diese Fragen zu erörtern, laden wir zu philosophischen Untersuchungen der Ursprünge und Auswirkungen von Hoffnung sowie zu anthropologischen Untersuchungen der Klimahoffnung in unterschiedlichen soziokulturellen Kontexten ein. Durch die Verbindung konzeptioneller und ethnografischer Ansätze ist es unser Ziel, eine empirisch fundierte Theorie der Klimahoffnung zu entwickeln. Die Ergebnisse des Workshops werden in einem Sammelband bei einem renommierten Verlag veröffentlicht.
Unsere Diskussion zum Thema „Klimahoffnung“ findet im Rahmen des Vierten Hamburger Symposiums für Philosophie und Anthropologie statt. Das Symposium wurde 2023 von Thiemo Breyer und Michael Schnegg ins Leben gerufen und bietet eine Plattform für den engen Dialog zwischen den beiden Disziplinen. Zu den bisherigen Themen gehörten „Normalisiertes Bewusstsein“ (2023), „Was ist Erfahrung?“ (2024) und „Was Atmosphären bewirken“ (2025). Das Format entstand aus einem Stipendium am HIAS, das das Symposium weiterhin gemeinsam mit den Universitäten Hamburg und Köln sowie der DFG unterstützt.
Organisatoren
Michael Schnegg, Universität Hamburg
Julian Sommerschuh, Universität Hamburg
Vortragende/Diskutant:innen
- Claudia Blöser, Philosophie, Universität zu Köln
- Thiemo Breyer, Philosophie, Universität zu Köln, HIAS-Alumnus 2022/2023
- Ghassan Hage, Anthropologie und Social Theory
- Arne Harms, Anthropologie, Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung, Halle
- Cheryl Mattingly, Anthropologie, University of Southern California
- Michaela Haug, Anthropologie, University of Freiburg
- Juliane Rebentisch, Philosophy, HFBK Hamburg
- Michael Schnegg, Anthropologie, Universität Hamburg
- Nikita Simpson, Anthropologie, SOAS University of London
- Jan Slaby, Philosophy, FU Berlin
- Julian Sommerschuh, Anthropologie, Universität Hamburg
- Jason Throop, Anthropologie, UCLA
- China Scherz, Anthropologie, University of Notre Dame
- Thomas Schwarz Wentzer, Philosophy, Aarhus University
- Asa Wettergren, Sociology, University of Gothenburg
- Jarrett Zigon, Anthropologie, University of Virginia
Participants
- Can Akin, Anthropologie, Universität Hamburg
- Aman, Anthropologie, Universität Hamburg
- Robert Desjarlais, Anthropologie, Sarah Lawrence College
- Rasmus Dyring, Philosophy, Aarhus University
- Barbara Muraca, Universität Greifswald, HIAS-Alumna 2025/2026
- Julia Pauli, Anthropologie, Universität Hamburg
- Soumhya Venkatesan, University of Manchester
- Julia Vorhölter, Anthropologie, Universität Hamburg, Max-Planck-Institut für ethnologische Forschung, Halle
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