„Habe ich Sie richtig verstanden?“
„Wenn Familie, Recht, Staat und Religion aufeinandertreffen, kommt es häufig zu Debatten und sogar Konflikten in Bezug auf das Privatleben, Politik und politische Entscheidungen sowie das Verständnis von Gerechtigkeit und Ordnung. In diesem einwöchigen Workshop diskutierten und verfeinerten Teilnehmer:innen aus den unterschiedlichsten Gesellschaften ihre Forschungsprojekte, wobei sich jeder auf einen ganz bestimmten Fall konzentrierte (Indien, Katar, China, Libanon, Ägypten, die Türkei und der Iran wurden alle erörtert), aber versuchte, die weiterreichenden Auswirkungen der Auseinandersetzungen darüber zu verstehen und zu vermitteln, wie Staaten und Religion das Familienleben lenken und regulieren.
Die Teilnehmer:innen stammten nicht nur aus verschiedenen Ländern, sondern aus Ländern, die sich kürzlich in bewaffneten Konflikten befanden. Auch wenn es manchmal so schien, als würden wir in einer Oase agieren, glaube ich, dass genau das Gegenteil der Fall ist: Wir leben in einer so vernetzten Welt, dass der Aufbau wissenschaftlicher Netzwerke und Verbindungen – die genauso real sind wie die Konflikte in den Schlagzeilen – ein entscheidender Baustein für die Gestaltung einer gemeinsamen Zukunft ist. In dieser Hinsicht war die Sommerschule ein echtes Beispiel für Wissenschaftsdiplomatie in der Praxis.“
Nathan Brown, HIAS-Alumnus & Leiter der Sommerschule 2026
Aus der Schlussrede von Nadjma Yassari
Vor einer Woche waren sich viele der Teilnehmer:innen der Sommerschule noch nie zuvor begegnet. Am Ende der Woche hatten sie Ideen zum Rechtsvergleich ausgetauscht, verschiedene Rechtssysteme diskutiert und Gespräche geführt, die weit über die einzelnen Vorträge hinausgingen.
In ihrer Abschlussrede reflektierte Nadjma Yassari über die Entwicklung dieses Austauschs. „Habe ich Sie richtig verstanden?“ war im Laufe der Woche zu einer immer wiederkehrenden Frage geworden – und in vielerlei Hinsicht ein treffender Ausdruck dessen, worum es beim Rechtsvergleich geht.
Beim Rechtsvergleich, betonte sie, gehe es um weit mehr als nur den Vergleich von Rechtsnormen. Geschichte, Kultur, Sprache, Institutionen und Politik prägen die Art und Weise, wie verschiedene Gesellschaften zu rechtlichen Lösungen gelangen. Um diese Zusammenhänge zu verstehen, seien Neugier, Offenheit und die Bereitschaft erforderlich, die eigenen Annahmen zu hinterfragen.
Diese Sommerschule bot den Teilnehmenden die Gelegenheit, diese Perspektiven gemeinsam zu erkunden und sich mit neuen Ideen und Ansätzen auseinanderzusetzen. Yassari ermutigte sie, nicht nur neues Wissen, sondern auch neue akademische und berufliche Kontakte mitzunehmen. In einer vergleichsweise kleinen akademischen Welt könnten die heutigen Mitteilnehmenden die Co-Autoren, Gutachter oder Kollegen von morgen werden.
In den Schlussworten wurde auch der Beitrag der Gastredner und Organisatoren gewürdigt, deren Fachwissen, Zeit und Engagement die Sommerschule erst möglich gemacht haben. Yassari dankte den Teilnehmer:innen für ihre Energie, ihre durchdachten Fragen und ihre Offenheit gegenüber unterschiedlichen Perspektiven.
Die Woche endete mit der Aufforderung, geistig offen zu bleiben und die Gespräche über die Sommerschule hinaus fortzusetzen. Wie Yassari es formulierte: „Ihr seid auf der Suche nach Antworten hierhergekommen. Ich hoffe, ihr reist mit besseren Fragen wieder ab.“


All participants and details: HIAS Summer School 2026 – HIAS